„Brave, herrliche junge Leute!
Ihr sollt nicht umsonst gestorben, sollt nicht vergessen sein.“

Das sagte Thomas Mann aus seinem amerikanischen Exil in seiner Rundfunkansprache an „Deutsche Hörer!“ am 27. Juli 1943 (1).

Heute vor 70 Jahren wurden Hans und Sophie Scholl beim Auslegen von Flugblättern verhaftet und nur vier Tage später geköpft (2). Hans Scholl war Überlebender von Stalingrad (3).

„Jetzt ist die Welt aufs tiefste bewegt von den Vorgängen an der Münchener Universität, wovon die Nachricht durch Schweizer und schwedische Blätter ... zu uns gedrungen ist. Wir wissen nun von Hans Scholl, dem Überlebenden von Stalingrad, und seiner Schwester, von Christoph Probst, dem Professor Huber und all den anderen; von dem österlichen Aufstande der Studenten gegen die obszöne Ansprache eines Nazi-Bonzen im Auditorum maximum, von ihrem Märtyrertod unterm Beil, von der Flugschrift, die sie verteilt hatten und worin Worte stehen, die vieles gutmachen, was in gewissen unseligen Kreisen an deutschen Universitäten gegen den Geist deutscher Freiheit gesündigt worden ist. Ja, sie war kummervoll, die Anfälligkeit der deutschen Jugend – für die nationalsozialistische Lügenrevolution. Jetzt sind ihre Augen geöffnet, und sie legen das Haupt auf den Block für ihre Erkenntnis und für Deutschlands Ehre, - legen ihn dorthin, nachdem sie vor Gericht dem Nazi-Präsidenten ins Gesicht gesagt: „Bald werden Sie hier stehen, wo ich jetzt stehe“; nachdem sie im Angesicht des Todes bezeugt: „Ein neuer Glaube dämmert an Freiheit und Ehre.“ (1)

Noch sprach Thomas Mann voller Hoffnung von „Deutschlands Ehre“. Aber wie viele Millionen Menschen wurden noch in den folgenden Monaten deportiert, gefoltert und ermordet – Auschwitz wurde 1943 und 1944 erweitert, und es war nicht „die deutsche Revolution, die wirkliche“, die die Denkmäler der Nazis für die „schmutzigen Rowdys, gemeinen Killern“ (1) niederrissen.

Nun begann er und wurde gnadenlos geführt, der „totale Krieg“, den der deutsche Propagandaminister Joseph Goebbels in seiner Rede im Berliner Sportpalast auch heute vor 70 Jahren so glühend vertrat (4), und die ganze Welt musste sehen, was „Nun, Volk, steh auf und Sturm brich los“ (5) in Deutschland bedeutete.

Voller Hochachtung verneige ich mich in Demut vor Hans und Sophie Scholl, die damals „auf Ehre und Gewissen“ handelten, allen anderen Mitgliedern der „Weißen Rose“ und allen, die damals in Deutschland Widerstand leisteten.

„Brave, herrliche junge Leute!
Ihr sollt nicht umsonst gestorben, sollt nicht vergessen sein.“


Nadja Thelen-Khoder

Anmerkungen:

1. Thomas Mann, „Essays“, Band 2, Politik; Frankfurt am Main, 1977 (Fischer Taschenbuch 1907, S. 273f)

2. http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/weisse-rose-70jahre132.html

3. http://www.migrapolis-deutschland.de/index.php?id=2400

4. http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/sportpalastrede/index.html

  1. http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/d2b03293/index.html

  2. Thomas Nicolai: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Monument_deserter_Erfurt-above.jpg



Amazon