Erinnerungskultur der Russlanddeutschen am Beispiel Tyumenregion

       „Erinnerungskultur der Russlanddeutschen am Beispiel Tyumenregion“ - so lautet das aktuelle grenzüberschreitende Projekt der Kreisgruppe Düsseldorf der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. Dieses durch die Landeszentrale für politische Bildung des Landes NRW geförderte Projekt bietet allen Interessierten auch die Möglichkeit, sich mit der Geschichte der Russlanddeutschen in der Tyumenregion auseinanderzusetzen (Stichwörter für Internet-Suchmaschinen: Erinnerungskultur Russlanddeutschen Tyumenregion).


Vortrag im Klub „Dialog“ in Tyumen am 25.10.2018

       Die Auszüge aus der Dokumentation, die vom Dr.- Phil. Eugen Eichelberg vorbereitet und uns zur Verfügung gestellt wurde:

       „Die Geschichte der Deutschen in der Region Tymen ist fünfhundert Jahre alt. Sibirien wurde von Russland im 17. Jahrhundert erobert.
       Deutsche waren daran aktiv beteiligt. Das Tobolsker Gouvernement war früher vorwiegend ein Verbannungsort und gleichzeitig ein administratives Kolonisationszentrum. Im 18. Jahrhundert waren viele Deutsche Pioniere an Erforschung und geographischen Entdeckung Sibiriens beteiligt. Historiker Gerhard Friedrich Müller (1705–1783), Naturforscher Daniel Gottlieb Messerschmidt (1685–1735), Georg Wilhelm Steller (1709–1746) und Peter Simon Pallas (1741–1811) haben ihren Beitrag zur Erforschung Sibiriens geleistet.
       Die Deutschen im Gebiet Tymen bildeten im 19. Jahrhundert noch keine ethnische Gruppe. Damals waren sie vorwiegend in der Oberschicht und städtischen Mittelschicht vertreten...

       In der Sowjetzeit wurde das Gebiet Tymen zu einer der Inseln des Archipels GULAG...

Die eigentliche und traurige Geschichte der Russlanddeutschen begann hier im Herbst 1941. Sie wurden zu Volksfeinden erklärt; und 32300 der Deportierten aus der Republik der Wolgadeutschen kamen in die Regionen, die heute zum Gebiet Tyumen gehören. Im Jahre 1942 wurden hierher auch etwa 7000 Deutsche aus Leningrad und im Jahre 1945 etwa 2000 Karpatendeutsche deportiert. Im Jahre 1948 betrug die gesamte Anzahl der Russlanddeutschen 33 200 Personen. Deportation und Arbeitsarmee haben der russlanddeutschen Ethnie den stärksten Schlag versetzt. Viele Menschen sind umgekommen, viele Kinder sind verweist.
Von 1941 bis 1948 erfolgte einen drastischen Rückgang der Bevölkerung. Trotzdem haben die Russlanddeutschen bis in die 60er Jahre ihre Kultur bewahrt. Der Kern der deutschen Identität war die Religion...

       Die Liberalisierung unter Gorbatschow nach 1985 eröffnete für die Russlanddeutschen die Möglichkeit der Auswanderung in die Bundesrepublik. Die Auswanderung der Russlanddeutschen hatte nicht nur materielle Gründe, sondern wurde auch bestimmt von dem Wunsch, endlich als Deutscher unter Deutschen leben zu können. Trotzdem sind viele Deutschen in ihrer Heimat geblieben und fühlen sich wohl. Heute leben im Gebiet Tjumen etwa 26.000, ca. 4.700 davon in der Stadt Tjumen (laut Volkszählung von 1989 lebten hier entsprechend 29569 und ca.4.800 Deutsche). Die Deutschen machen ein Prozent der Bevölkerung in der Region Tymen aus und sind ein wichtiges Glied, das sie mit Deutschland verbindet.“
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